Antiautoritäre Erziehung – was ist das eigentlich?

Freches Mädchen versteckt sich im Wäschekorb antiautoritäre Erziehung

Antiautoritär: dieses Wort wird allzu oft und gerne herangezogen, wenn eine Familie scheinbar ohne Regelwerk und Restriktionen lebt. Doch wann folgen Eltern bewusst der antiautoritären Erziehungsphilosophie und wann sind sie einfach nur unmotiviert und vernachlässigend? Antiautoritäre Erziehung ist eine Erfindung der 1960er und 1970er Jahre. Entstanden ist diese Philosophie, die das Kind zuallererst als gleichbedeutende Person ernstnimmt, als reformierende Reaktion auf die strenge Erziehung der Generationen zuvor. Doch was steckt hinter diesem Wort? Welche Ziele, Leitbilder und Normen verfolgt antiautoritäre Erziehung?

Antiautoritärer Erziehungsstil – Ziele

Antiautoritär hört sich generell ein bisschen überholt an. Für viele Eltern, die sich mit pädagogischen Richtungen und Themen auseinandersetzen, hat der Begriff keine notwendige Tragkraft. Dabei kann eine antiautoritäre Erziehung nicht nur einen sinnvollen Nutzen für das Kind haben, sondern dieses auch in seiner Entwicklung fördern und wesentlich unterstützen.

In den vergangenen Jahren hat der antiautoritäre Erziehungsstil jedoch sehr viel einstecken müssen, allem voran teils unbegründete Kritik. Oftmals wurde der antiautoritäre Weg von Eltern falsch verstanden und durchgeführt. Vielfach wurden Kinder frei von jeglichen Grenzen erzogen, was zu einem schlechten Ruf der antiautoritären Erziehung beigetragen hat. (Siehe auch: www.bambiona.de).

Ziel dieser Erziehungsmethode ist es aber nicht, die Kinder alles machen zu lassen, was sie möchten. Vielmehr soll den Kindern möglichst viel Freiraum in der eigenen Entscheidung und der Entfaltung geboten werden. Dadurch sollen Kreativität, Gemeinschaftsfähigkeit und Selbstvertrauen maßgeblich gestärkt und aufgebaut werden.

Antiautoritäre Erziehung – darauf kommt es an

Entscheiden sich Eltern für den antiautoritären Erziehungsstil zugunsten ihrer Kinder, geht es darum, die Heranwachsenden erst einmal zu nichts zu zwingen, was sie nicht möchten. Bei einer restriktiven Erziehung geht das Kind beispielsweise prinzipiell jeden Abend dann ins Bett, wenn von den Eltern festgelegte Schlafenszeit ist. Es soll schlafen, ungeachtet der Frage, ob das Kind zur festen Zeit oder später oder früher müde ist. Von dieser Haltung möchten Eltern, die antiautoritär erziehen, nichts wissen.

Zentrales Thema Eingenverantwortung

Anstelle von streng festgezurrten Regeln sollen Angebote und Vorschläge unterbreitet werden, die als Alternativen in Frage kommen. Regeln und Grenzen sind auch in der antiautoritären Erziehung von Notwendigkeit, allerdings dürfen diese keinesfalls die Selbstverwirklichung des Kindes einschränken. Außerdem müssen sie klar definiert und jedem bekannt sein. So bekommen die Kinder nicht das Gefühl, Spielball der Launen ihrer Eltern zu sein, die nach ihrem eigenen Belieben willkürlich über ihre Kinder verfügen.

Wichtig bei der antiautoritären Erziehung ist das Thema Verantwortung. Die Kinder dürfen und sollten eigene Verantwortungen übernehmen und gleichzeitig auch die natürlichen Konsequenzen, also die volle Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen tragen.

Antiautoritäre Erziehung heute

Die Hochphase von antiautoritärer Erziehung ist vorbei. Der Boom flaute Ende der 1970er Jahre langsam ab. Aber der Philosophie tragen die meisten modernen Erziehungsstile Rechnung. Die respektvolle Grundeinstellung Kindern gegenüber, die uns durch die antiautoritäre Bewegung vermittelt wurde, ist für die Pädagogik des 21. Jahrhunderts ein maßgeblicher, zentraler Punkt. Diverse Erziehungsratgeber setzen als unbedingten Ausgangspunkt, dass Eltern ihren Kindern jederzeit freundlich, respektvoll und wertschätzend gegenüber treten sollten.

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