Motivation fürs neue Schuljahr – 9 Tipps für Eltern

Mädchen hat freude am Lernen Motivation

Sechs Wochen lang Sommer, Freiheit, Spiel und vor allem jede Menge Zeit, die Welt im eigenen Tempo zu entdecken: Viele Schüler sind nach den langen Sommerferien erholt und entspannt; sie starten ausgeglichen und hoch motiviert ins neue Schuljahr. Doch was tun, damit diese Begeisterung nicht sofort verfliegt? 9 Motivationstipps und Strategien für Eltern, wie sie ihren Kindern im Schulalltag das Glücksgefühl und die Freude am Lernen erhalten können.

Wenn nach der langen „Streunerzeit“ in den Sommerferien wieder Uhr, Terminkalender und Stundenplan das Leben von Schülern bestimmen, ist die Ausgeglichenheit der Kinder oft schnell wieder dahin. Die Motivation zum Lernen wandert in den Keller, wenn erste Pflichten wie Klassenarbeiten oder Referate wieder an den Schreibtisch zwingen. Doch das muss nicht so sein.

Schlüssel zum Lernerfolg ist Motivation

Der Schlüssel zum Lernerfolg ist die Motivation, der eigene Antrieb, ein Ziel erreichen zu wollen, und die Überzeugung, dieses auch schaffen zu können. Pädagogen und Psychologen sprechen von intrinsischer Motivation. Vereinfacht bedeutet dies, je mehr ein Kind (gilt selbstverständlich auch für Erwachsene!) eine Aufgabe um ihrer selbst willen bewältigt, ganz einfach, weil das Tun ihm Freude bereitet, desto entspannter und wirkungsvoller lernt es.

Reformpädagogen setzen auf intrinsische Motivation

Auf diesen Erkenntnissen der Lernforschung fußen viele reformpädagogische Konzepte wie beispielsweise die Montessori-Pädagogik, Freinet oder Sudbury. Sie versuchen, dem Kind ausreichend Raum und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, um von sich aus intrinsische Motivation zum Lernen entwickeln zu können.

Daniel Bialecki von Scoyo

Bildungsexperte Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo. Foto: scoyo

Doch nicht nur Reformpädagogen haben den Wert intrinsisch motivierten Lernens erkannt. Für Eltern und Lehrer gilt es, die Freude am Lernen und an der Schule heraus zu kitzeln. Und zwar nach Möglichkeit gänzlich ohne Druck. Das weiß auch Bildungsexperte Daniel Bialecki, der sich als Geschäftsführer der Online-Lernplattform scoyo seit vielen Jahren mit kreativen Lernmethoden für Kinder beschäftigt. Er ist selbst dreifacher Vater und verrät, mit welchen Strategien es Eltern schaffen, das Motivationsgefühl aus den Ferien noch weit in den Schulalltag hinein zu tragen.

  1. Vorfreude und Neugier wecken

Ein bis zwei Wochen vor dem Start des neuen Schuljahres ist es gut, Kinder langsam an den Schulalltag heranzuführen, damit ihnen die Umgewöhnung nicht allzu schwer fällt. Die Devise: Vorfreude und Neugier wecken, dann steht einem Anfang voller Motivationn nichts mehr im Wege. Setzen Sie sich zusammen, schauen Sie gemeinsam zurück auf das vergangene Schuljahr und sprechen Sie über lustige und tolle Ereignisse. So wird Ihrem Kind noch einmal direkt vor Augen geführt, was es bereits gelernt hat. Etwas vorsichtiger können im Verlauf des Gesprächs auch schwierige Themen angesprochen werden, um ganz konstruktiv zu überlegen, wie man diese im nächsten Schuljahr umgehen kann (z.B. im Unterricht besser mitmachen a la „wenn man schon mal da ist“, nach der Schule jeden Tag 15 Minuten Vokabeltraining etc.). Auch eine kleine Vorschau auf das kommende Schuljahr schürt die Vorfreude und macht neugierig auf spannende Fächer, neue Lehrer oder bevorstehende Aktivitäten wie Klassenfahrten. Das fördert von Anfang an die Motivation, sich positiv auf das nächste Schuljahr einzulassen.

Der Schreibtisch der Kinder wurde während der sechswöchigen Ferienzeit eher weniger genutzt – die perfekte Gelegenheit für eine Umgestaltung. Neue Farben und bunte Ordner bringen frischen Wind an den Arbeitsplatz und machen Lust, sich gleich an die Aufgaben zu machen. Gleichzeitig weckt nagelneues Schulmaterial Vorfreude auf die Schule.

  1. Bei Zeiten an neuen Rhythmus gewöhnen

Gleichzeitig bringt der Schulalltag auch gehörige Veränderungen für die Kinder mit sich. Das frühe Klingeln des Weckers trifft nach sechs Wochen Ferien bei vielen auf taube Ohren. Damit wieder ein bisschen mehr Routine einkehrt und das frühe Aufstehen im neuen Schuljahr nicht für die ganze Familie zur Qual wird, sollten Sie schon in der letzten Ferienwoche den Wecker etwas früher stellen. Weniger Überwindung kostet es, wenn zum Beispiel ein kleiner Spaziergang zum Lieblingsbäcker Bewegung in die müden Knochen bringt.

  1. Der erste Schultag ist ein Feiertag, nicht nur für Erstklässler

Rituale geben uns Menschen Halt, Kinder lieben sie. Der erste Schultag nach den Ferien sollte gefeiert werden! So symbolisieren wir: Die Ferien sind zwar vorbei, das heißt aber nicht, dass Freizeit und Familie jetzt keinen Platz mehr haben! Übernehmen Sie doch ein paar tolle Aktivitäten, aus der Ferienzeit mit in den Schulalltag, wie regelmäßige Koch- oder Spieleabende. Das freut sicher nicht nur die Kinder.

  1. Möglichst wenig Druck, denn dieser tötet die Motivation

Wenn die Schule begonnen hat und sich der Lernalltag langsam einpendelt, sind wir Eltern wichtige Unterstützer, die unseren Kindern zur Seite stehen sollten. Und genau das sollten Eltern auch bleiben: Unterstützer. Es bringt nichts außer Konflikte, wenn Eltern allzu sehr in die Rolle des Nachhilfelehrers schlüpfen. Bei Lernschwierigkeiten ist es besser, die Experten um Rat zu fragen. Auch wäre es falsch, seine eigenen Erwartungen und seinen Ehrgeiz auf die Kinder zu projizieren. Dadurch geraten sie unter Druck und verlieren ihre Motivation.

  1. Lob für die Anstrengung, nicht nur für Erfolge

Eigene Erfolge sorgen für Glücksgefühle und diese sorgen wiederum dafür, dass Kinder langfristig Freude an Aufgaben und Herausforderungen haben. Dazu trägt das Lob der Eltern selbstverständlich bei. Doch achten Sie darauf, wie Sie loben, und für was. Statt immer nur für eine erfolgreiche Klassenarbeit zu loben, ist kontraproduktiv und wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Schenken Sie stattdessen Anerkennung für etwas, das ihr Kind direkt beeinflussen kann, wie für seine Anstrengung. Kinder merken so, dass sie den Erfolg selbst steuern können und lernen, nicht so leicht aufzugeben und dass Fehler dazugehören.

  1. Bloß nicht: Ungeduld!

Kinder können sich nicht ewig konzentrieren. Es ist vollkommen normal, dass sie beim Lernen immer mal wieder aussteigen. Auch wenn es manchmal schwer ist, versuchen Sie, dann gelassen zu bleiben und bloß keine Ungeduld aufkommen zu lassen, bzw. ihr Kind diese nicht spüren zu lassen. Verkneifen Sie Sätze wie „Sieh doch noch mal kurz her, dann hast du es geschafft“, „nicht mit dem Stift spielen, hier spielt die Musik“ oder „konzentrier dich bitte“. Damit verliert Ihr Kind auch noch die letzten Reste an Motivation. Versuchen Sie, in solchen Momenten neutral zu bleiben. Besser ist es, wenn Sie die Momente besonders positiv bewerten, sobald sich Ihr Kind wieder auf das Lernen einlässt. So zeigen Sie ihm, dass Sie sich über sein Mitmachen freuen. Das motiviert, ohne zu belasten.

  1. Richtig Kritik üben, Fehler müssen sein

Lernen besteht aus stets neuen Versuchen, aus vielen Erfolgen und ebenso vielen Fehlern. Unser Kulturkreis geht leider nicht positiv mit Fehlern um. Die Angst vorm Scheitern ist schon in sehr vielen Kindern weit vor ihrer Einschulung fest verankert. Die Folge: Bereits als Kindergartenkinder vermeiden sie bestimmten Situationen, in denen sie im Verhältnis zu anderen nicht glänzen können. Kurz gesagt: Weil ihnen etwas schwer fällt, lassen sie es besser gleich ganz bleiben, die Motivation geht vollends flöten. Diese Vermeidungshaltung hat sich durch harsche Reaktionen von außen und/oder einen übergroßen inneren Kritiker für die Kinder als Schlupfloch aufgetan. Hier ist es essentiell, das Selbstbewusstsein des Kindes gerade in bestimmten (Lern-)Bereichen zu stärken. Genau in die falsche Richtung führt selbstverständlich Kritik, die Genervtheit, Ungeduld oder Ärger vermittelt. Also kein leises Seufzen, kein „das habe ich dir doch gerade erklärt“, keine kühle Stimme und keine aufeinandergepressten Kiefer. Versuchen Sie, möglichst geduldig und neutral zu bleiben und auf einen Fehler auf warme Weise hinzuweisen, auch wenn es bereits das fünfte Mal ist.

  1. Ein Lernplan kann helfen

Wir Menschen sind verschieden. Manch ein Bergsteiger fühlt sich vom Blick auf einen weit entfernten Gipfel angespornt, während andere dadurch bereits den Mut verlieren, sich überhaupt an den Aufstieg zu machen. Einigen fehlt für so eine große Aufgabe die Motivation und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten. Daher kann es – je nach Typ – auch hilfreich sein, Lerninhalte in kleinere Abschnitte einzuteilen, damit die Aufgaben machbarer wirken – beispielsweise mit Hilfe eines Lernplans. Die Kinder beginnen am besten mit dem einfachsten Teil, um nicht gleich den Mut zu verlieren. Die übersichtliche Struktur des Lernplans zeigt den Kleinen, was sie schon gelernt haben und es spornt sie an, sich auch an den schwierigeren Stoff zu wagen.

  1. Ruhe, Zeit und Pausen

Geben Sie ihrem Kind auch die Zeit, sich wieder an den Schulalltag zu gewöhnen. Es wäre falsch, schon gleich nach der ersten Woche einen straffen Lernplan zu entwickeln. Bleiben Sie als Zuhörer da, fragen Sie nach, wo dem Kind der Schuh drückt, wo es aktuell gut läuft und geben Sie Anreize für kreative Lernmethoden. Ganz wichtig: Sorgen Sie für eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Zeit mit Freunden, Pausen und Schlaf – nur so bleibt Ihr Kind fit, konzentriert und glücklich.

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