Selbstständig mit Kind – Tipps und Infos

selbstständig arbeiten mit kind

Viele Mütter und Väter können ein Lied davon singen, wie schwierig es sein kann, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Mindestens ein Elternteil steht nicht selten vor der Wahl, den Beruf für ein paar Jahre mehr oder minder an den Nagel zu hängen oder sich selbst aufzureiben und die Kinder kaum mehr als zum Ins-Bett-bringen zu sehen. Manchmal scheint ein Neustart in Freiberuflichkeit bzw. Selbstständigkeit verlockend: mehr Flexibilität, Home Office und eine bessere Work-Life-Balance. Aber dieser Schritt will wohl überlegt sein, schließlich gilt es, Arbeit und Kinderbetreuung in Einklang zu bringen, die Zeit richtig einzuteilen und die finanzielle Sicherheit im Blick zu behalten. Hier sind die wichtigsten Infos und Tipps zusammengefasst:

Immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit

Für viele Mütter ist der Einstieg zurück in den Arbeitsalltag nach der Elternzeit nicht so leicht. Sie haben im Büro viel verpasst, müssen sich neues Wissen aneignen und wieder komplett einarbeiten. Hinzu kommt, dass kleine Kinder nunmal relativ häufig krank werden. Ein Elternteil muss dann zu Hause bleiben und den kleinen Patienten pflegen. Meist sind dies die Mütter, die dann wieder in der Arbeit ausfallen. Nur allzu häufig folgen bei zu vielen Fehltagen Probleme mit den Vorgesetzten. Diese Spannung kann ganz schön aufreibend sein, irgendjemand kommt automatisch zu kurz.

Eine Alternative ist nach der Babypause der Schritt in die Selbstständigkeit. Immer mehr Mütter wagen diesen. Die Zahlen des KfW-Gründungsmonitors des Bundesfamilienministeriums sprechen eine deutliche Sprache: Der Mikrozensus bestätigt, dass 2014 rund 32,4 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland Frauen waren. Nur ein Jahr später stellten die Frauen einen Anteil von 43 Prozent aller Unternehmensgründungen in Deutschland.

Selbstständig und schwanger – Elterngeld und Mutterschutz

Elterngeld:

Eltern haben ein Recht auf Elterngeld – egal, ob sie selbstständig sind oder sich in einem Arbeitsverhältnis befinden. Es ist allerdings an zwei Bedingungen geknüpft: Die Eltern bzw. ein Elternteil betreut das Baby überwiegend selbst. Gemeinsam hat das Paar im Jahr vor der Geburt seines Kindes weniger als 500.000 Euro verdient.

Ausschlaggebend für die Höhe des Elterngeldes ist bei Selbstständigen das Einkommen im letzten abgeschlossenen Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes. Das ist ein Unterschied zu Angestellten, bei denen der Verdienst aus den letzten zwölf Monaten vor der Geburt als Basis genommen wird. Weitere Informationen rund um den Antrag zum Elterngeld finden sich auf elternzeit.de.

Aktuell liegt der Mindestbetrag des Elterngeldes bei 300 Euro, der Maximalbetrag bei 1.800 Euro. Wer die Höhe seines zu erwartenden Elterngelds ungefähr ausrechnen möchte, kann dies mit diesem Online-Rechner des Familienministeriums tun.

Viele Selbstständige und Freiberufler können es sich nicht leisten, ein ganzes Jahr oder länger nicht zu arbeiten und ihr Unternehmen ruhen zu lassen. Das müssen sie auch nicht. Der Gesetzgeber erlaubt eine Tätigkeit neben dem Elterngeldbezug von bis zu 30 Stunden pro Woche. Der Verdienst wird mit dem Elterngeld verrechnet. Infos zum Teilzeit-freundlichen Elterngeld Plus bietet das Familienministerium.

Mutterschutz:

In einem Angestelltenverhältnis muss sich der Arbeitgeber an die gängigen Schutzfristen halten: Angestellte dürfen in einem Zeitraum von  sechs Wochen vor der Geburt bis acht Wochen nach der Geburt nicht arbeiten. Für selbstständige Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen gelten diese gesetzlichen Vorgaben nicht. Sie dürfen demnach so lange arbeiten, wie sie möchten und können. Achtung: Viele private Krankenkassen sträuben sich, (werdenden) Müttern in der Mutterschutzfrist Kranken-Tagegeld zu zahlen. Gut beraten ist diejenige, die sich bereits frühzeitig bei der Versicherung informiert, inwiefern ihr entgegengekommen wird und ob und in welcher Höhe Geld während der Mutterschutzfrist gezahlt wird.

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Fluch und Segen zugleich: Home Office

Ein Vorteil der Selbstständigkeit ist ganz klar das Home Office. Für Eltern ermöglicht es in erster Linie flexible Zeit für die Kinder. Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und Schulen stellen im Idealfall kein Problem mehr dar.

Die größten Vorteile des Home Office:

  • Keine Pendelei jeden Tag von Zuhause ins Büro spart Zeit und Fahrtkosten.
  • Individuelle Zeiteinteilung wird möglich, nicht nur tagsüber. Das eine oder andere Projekt lässt sich beispielsweise gut auf die Abendstunden verschieben, wenn die Kinder schon im Bett sind.
  • Kein Dresscode, vorgeschrieben oder unausgesprochen. Außer bei Kundenterminen reicht Wohlfühlkleidung völlig aus.

Mögliche Nachteile des Home Office:

  • Wenig soziale Kontakte: In einem Büro hat man tagtäglich mit Kollegen zu tun, tauscht sich aus und betreibt Konversation. Abgesehen von Kundenterminen und Telefonaten fällt das im Home Office weg. Nicht jeder ist dafür geeignet.
  • Familie, immer und überall: So sehr Sie man seine Kinder auch liebt, kann die ständige Nähe doch dazu führen, dass man sich bei der Arbeit ablenken lässt und nicht uneingeschränkt entfalten kann.
  • Hoher Druck: Als Einzelkämpfer sind Freiberufler ganz allein dafür zuständig, dass die Projekte fertig werden. Ungeplante Krankheit oder Urlaub können da hohen Druck und seelischen Stress erzeugen.

Goldene Regeln für die Arbeit zu Hause

  1. Grenzen ziehen: Klare Geschäftszeiten erleichtern nicht nur Geschäftspartnern und Kunden die Arbeit. Sie helfen außerdem dabei, den Arbeitsalltag zu strukturieren und eine gewisse Routine entstehen zu lassen. Natürlich wird es sich nicht immer verhindern lassen, auch mal am Wochenende oder in der Familienzeit eine Mail zu beantworten. Die Grenzen zwischen Beruf und Privat sollten aber nicht zu sehr verwischen.
  2. Strukturen entwickeln: Ein persönlicherWochen-Arbeitsplan sollte auf Basis der Fragen, wann man aufstehen möchte, wie lange am Stück man arbeiten kann, wann die Kinder nach Hause kommen, welche Deadlines oder Kundentermine anstehen etc. entwickelt werden.
  3. Netzwerk für einen Plan B: Wenn ein Kundentermin mal länger dauert, muss die Frage nach der Kinderbetreuung geklärt sein. Großeltern, Eltern von Freunden der Kinder, Nachbarn, die spontan und unkompliziert einspringen und auf die Kinder aufpassen können, sind da Gold wert.
  4. Pausen einplanen: Niemand kann viele Stunden am Stück produktiv sein und immer sehr gute Ergebnisse erzielen. Regelmäßige Pausen sind wichtig, um den Kopf freizubekommen und wichtige Energie aufzutanken.

Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz für Freiberufler

Es mag zwar bequem sein, selbstständig vom Sofa aus zu arbeiten. Aber für das eigene Arbeitsempfinden, die Rückzugsmöglichkeit vor den Kindern und vor allem für einen erholsamen Feierabend ist eine räumliche Trennung wichtig. Ein Arbeitszimmer schafft eine Grenze zwischen Privatleben und Beruf.

Ein Schreibtisch mit Bürostuhl bilden die Basis-Ausstattung eines jeden Arbeitszimmers. Hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden. Ein ergonomischer Arbeitsplatz zahlt sich aus, wenn man mehrere Stunden am Tag am Schreibtisch verbringen muss. Die Arbeitsfläche sollte höhenverstellbar sein, damit sie sich jeder Körpergröße anpassen kann, und der Bürostuhl sollte über eine verstellbare Rücklehne verfügen. Darüber hinaus sollten im Arbeitszimmer oder Arbeitseck ein Computer oder Laptop sowie ein Telefon und ein Drucker/Scanner/Kopierer immer griffbereit untergebracht sein. Wenn der Platz es zulässt, können Regale, Aktenschränke und/oder Ablagesysteme für ausreichend Ordnung sorgen.

Nicht nur Möbel und Hardware machen einen guten Arbeitsplatz aus. Je nach Beruf werden verschiedene Software-Programme benötigt, die den  Arbeitsalltag erleichtern oder erst ermöglichen. Viele Software-Lösungen sind abhängig von der Branche: Während zum Beispiel ein freiberuflicher Grafiker ohne Bildbearbeitungsprogramm nicht arbeiten kann, ist etwa für einen selbstständigen Buchhalter eine Buchhaltungssoftware zwingend erforderlich. Eine solche kann übrigens allen Selbstständigen bei der Steuererklärung helfen. Dieser Ratgeber informiert über diverse Möglichkeiten.

Viele dieser Anschaffungen können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Wer sich selbstständig macht, sollte gleich zu Beginn mit seinem Steuerberater darüber sprechen.

Steuererklärung, Buchhaltung und Co.

Es gibt einen Punkt bei der Selbstständigkeit, den die wenigsten gern in Angriff nehmen: Die Buchhaltung. Für Arbeitnehmer stellt die Steuererklärung in der Regel keine größeren Probleme dar. Doch bei Unternehmern sieht das meistens etwas komplizierter aus.

Das Finanzamt möchte jedes Jahr eine exakte Gewinnermittlung sehen. Meist reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) aus, in der alle Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt werden. Unterm Strich ergibt sich dann der Gewinn des Selbstständigen – oder gegebenenfalls auch der Verlust. Freiberufler dürfen – unabhängig vom Gewinn oder Umsatz – immer die einfache Buchführung (also die EÜR) anwenden.

Etwas komplizierter wird es, wenn ein Gewerbe angemeldet wird. Dann tritt am Anfang der Selbstständigkeit die Kleinunternehmerreglung in Kraft. Allerdings nur, wenn im Gründungsjahr der Umsatz die Obergrenze von 17.500 Euro nicht übersteigt. Wer unsicher ist, ob er als Kleinunternehmer gilt, kann mit Hilfe dieses Rechners herausfinden, ob die Regelung zutrifft.

Zeitmanagement

Hinter einer Selbstständigkeit mit Kind steckt ein großes Maß an Durchhaltevermögen, Disziplin und Geduld. Besonders das eigenverantwortilche Zeitmanagement verlangt vielen einiges ab. Hilfreich können oftmals so genannte Zeitmanagement-Online-Tools sein, die dabei helfen sollen, den Tag besser zu strukturieren und den Überblick über die einzelnen Projekte (private wie berufliche) oder Abgabefristen zu behalten. Einen Testbericht über verschiedene Online-Tools findet sich hier.

 

 

 

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