Fett, faul, dumm: Unsere Kinder haben zu wenig Bewegung

Kinder in Bewegung - Freude am Sport

Unsere Kinder bewegen sich zu wenig, sie sind zu fett, kränklich und motorisch ungeschickt. Diese seit Jahren immer wieder hörbaren Unkenrufe hat jetzt eine wissenschaftliche Studie belegt. Demnach nehmen dank Kita, Ganztagesschule, Handy und PC Sport und Bewegung der Jüngsten seit Jahren drastisch ab. Dabei profitieren nicht nur Muskeln und Herz-Kreislaufsystem von ausreichend Tobe-Zeit. „Bewegte“ Kinder sind ausgeglichener und oft sogar schlauer.

Kinder und Jugendliche treiben zu wenig Sport. Zu diesem Ergebnis kommt der in Essen vorgelegte dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht. Noch nicht einmal ein Drittel aller Mädchen und Jungen bewegt sich genug, sagt der Sportwissenschaftler Werner Schmidt, der für die Studie verantwortlich zeichnet in einem Interview mit dem WDR. Er fordert: „Wir brauchen eine neue Bewegungskultur.“

Im Durchschnitt nur 30 Minuten Bewegung am Tag

Statt Bewegung stehen so genannte „Sitztätigkeiten“ wie Fernsehen, PC-Spiele oder Hausaufgaben vermehrt auf dem Alltagsprogramm für Kinder. Im Schnitt sitzen unsere Kinder täglich mehr als sechs Stunden. Ihre ernst zu nehmende Bewegungszeit hingegen beträgt noch nicht einmal 30 Minuten am Tag. Diese Zahlen seien alarmierend, so die Wissenschaftler in dem 640 Seiten starken Bericht.

Hauptproblem: Zu wenig Bewegung im Alltag

Das Hauptproblem sei nämlich nicht, dass zu wenig Sport betrieben werde, so die Forscher. Im Gegenteil, die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen sei in Sportvereinen aktiv, spiele regelmäßig Fußball oder gehe zum Ballett-Training. Aber gleichzeitig habe die Alltagsbewegung – speziell die besonders wichtige Bewegung an der frischen Luft – deutlich und drastisch abgenommen. Das Herumtollen im Garten, Hüpfspiele im Hof, Skateboard fahren auf dem Garagenvorplatz – das werde immer weniger.

Eine Teilschuld trägt die Ganztagsbetreuung

Schuld an dem prekären Ergebnis der Studie sei auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen, glauben die Forscher. „Dass das Problem sich in den vergangenen Jahren verschärft hat, hängt auch mit dem Ausbau von Ganztagskitas und Ganztagsschulen zusammen sowie der G8-Einführung an den Gymnasien. Jetzt sitzen die Schüler noch länger im Unterricht. Und der Sport wurde in zwölf von 16 Bundesländern sogar auf zwei Stunden gekürzt“ kritisiert Schmidt im WDR-Gespräch.

Folgen: Übergewicht, Haltungsschäden, Koordinationsstörungen

Die Folgen seien Koordinationsstörungen, Haltungsschäden oder Übergewicht. Spiel und Sport müssten eine bedeutendere Rolle im Kita-, Hort- und Ganztagesschulalltag einnehmen, fordern die Wissenschaftler. Denn Bewegung ist für die Entwicklung unserer Kinder neben einer liebevollen Umgebung und gesunder Ernährung das A und O. Sie trainiert nicht nur Herz und Kreislauf, regt den Stoffwechsel an, verbessert die Ausdauer, kräftigt die Muskeln, verbessert die Haltung, stärkt die Knochen und reg das Gleichgewichtssystem an. Nebenbei schult sie die Wahrnehmung, fördert die Entwicklung der Sinnesorgane und verbessert die Geschicklichkeit und die Reaktionsfähigkeit.

Bewegung im Freien stärkt das Immunsystem

Der Idealfall übrigens ist Bewegung im Freien. Sie stärkt eindeutig das Immunsystem. Kinder, die sich täglich an der frischen Luft bewegen, sind seltener krank. Das wusste nicht nur schon Großmutter und ist ein subjektiv empfundener Erfahrungswert von Eltern und Erziehern in Waldkindergärten, sondern gilt überdies in einer Vielzahl an Studien als wissenschaftlich erwiesen.

„Bewegte“ Kinder sind schlau

Neben der körperlichen Entwicklung hat ausreichend Bewegung auch einen positiven Einfluss auf die geistige Entwicklung von Kindern. Denn sie steigert die Leistungs- und Lernfähigkeit von Kindern. Das haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben (siehe z.B. hier). Die medizinische Erklärung ist einleuchtend. Das im frühkindlichen Stadium noch nicht ausgereifte Gehirn bildet sich in den ersten Lebensjahren durch Anregungen auf. Nervenbahnen vernetzen sich erst im Laufe der Zeit. Je weniger Bewegung, umso weniger Nervenverbindungen bilden sich aus. Der Einfluss von Bewegung, Körperbeherrschung und motorischen Fähigkeiten auf die Sprachentwicklung eines Kindes ist besonders deutlich erkennbar.

Einfluss auf Körper, Geist und Seele

Überdies steigert Bewegung die Produktion des Glückshormons Dopamin, macht zufrieden und ausgeglichener. Kinder, die sich ausreichend bewegen, sind konzentrierter, aufnahmefähiger und wacher. All das gibt es zum Nulltarif direkt vor der Haustüre. Also, nichts wie ab nach draußen mit den Kindern! Schon zehn Minuten Bewegung im Freien sorgen für gute Laune durch die Produktion von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Und bauen nachweislich Stresshormone ab.

3 Responses to Fett, faul, dumm: Unsere Kinder haben zu wenig Bewegung

  1. […] Genau das aber ist offensichtlich nicht nur für die körperliche Fitness und einen gesunden, ausgewogenen Muskelaufbau für Kinder äußerst notwendig. Ausreichend Bewegung sorgt auch für eine gute Gehirntätigkeit und ein funktionierendes Lerngedächtnis, macht also offenbar schlauer. Das ist das Ergebnis einer weiteren aktuellen Studie. […]

  2. […] ohne Grund  zum so genannten Zappelphilipp. Meist steckt ein Mangel hinter seinem Verhalten, ein Mangel an Bewegungsmöglichkeiten und/oder ein Mangel an Rückzugsräumen. Diesem Umstand wollen einige Schulen beikommen, indem sie […]

  3. […] ohne Grund  zum so genannten Zappelphilipp. Meist steckt ein Mangel hinter seinem Verhalten, ein Mangel an Bewegungsmöglichkeiten und/oder ein Mangel an Rückzugsräumen. Diesem Umstand wollen einige Schulen beikommen, indem sie […]

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