Falls ein Komet mein Kind erschlägt: Helikopter-Ängste

Kindheit in Freiheit gegen Helikopter Little boy on a wheat field in the sunlight enjoying nature

“Ihr lieben Eltern da draußen, wo ist euer gesundes Gottvertrauen oder meinetwegen auch Weltvertrauen geblieben? Wieso bestimmt die Angst vor allem Möglichen und Unwahrscheinlichen euren Umgang mit euren Kindern?” Das fragt unsere Kolumnistin Julia Collani. Sie ist im Netz über eine Diskussion gestolpert, die sie wahrhaftig zweifeln ließ an heutigen Eltern. Es ging um die Frage, ob Kinder kurz allein im Auto bleiben dürfen, wenn ihre Eltern ein Brot kaufen oder die Tankfüllung zahlen. Collani: “Die Antworten dazu haben mich echt an den Rand getrieben.”

Die Frage hatte die Mutter einer Vierjährigen gestellt. Sie war neulich mit ihrer Tochter beim Einkaufen gewesen und hatte diese nur mit Mühe davon überzeugen können, mit in den Supermarkt zu kommen. Lieber wäre das Kind im Auto sitzen geblieben und hätte das Hörspiel weitergehört. Die Frage der Mutter lautete: “Rein interessehalber, würdet ihr eure Kinder auf eigenen Wunsch für zehn Minuten alleine im Auto warten lassen?”

“Würdet ihr eure Kinder für zehn Minuten alleine im Auto warten lassen?”

Ich habe spontan gedacht: “Na klar!” Schließlich handhabe ich das mit meinen drei Kindern schon immer so. Dabei habe ich mir niemals Gedanken darüber gemacht, welchen Gefahren ich sie damit ausgesetzt habe. Ja, lebensgefährlichen Gefahren!

Die Kommentare der anderen – vorwiegend weiblichen – LeserInnen wollten mich eines Besseren belehren und haben mich staunen lassen. Denn laut ihnen lauern in der Situation “Vierjähriges Kind zehn Minuten allein in Auto auf Supermarktparkplatz” außerordentliche Bedrohungen:

Helikopter-Eltern Two boy in children car seats, traveling by car and playing with toys and tablet, summertime

  • Angefangen von der Möglichkeit, dass ein Autoknacker just in diesem Moment just dieses Auto klauen könnte – und dann quasi als Belohnung obendrauf mein Kind mitgeklaut hätte. So weit hatte ich noch nie gedacht, aber zur Verteidigung meiner naiven Sorglosigkeit muss ich anführen, dass mir noch niemals ein Auto tagsüber auf einem Supermarkt-Parkplatz geklaut wurde.
  • Genauso schlimm die Gefahr, dass jemand anderes beim Ausparken mein Auto rammt und dabei mein auf der Rückbank sitzendes Kind zerquetscht! Auch das habe ich nie bedacht, Asche auf mein Haupt.
  • Oder dass ein Kinderklauer daher schlendert, die Autoscheibe einschlägt und mein Kind entführt! Was bin ich nur für eine Mutter, dass ich da nicht selber draufgekommen bin?
  • Wirklich gruselig wird aber die Vorstellung, dass ich selbst plötzlich den Geist aufgebe und sich niemand um das verwaiste Auto mit dem Kind darin kümmert. Eine Userin schrieb: “Das Riskante dabei ist – was ist, wenn dir in der Zeit etwas passiert? Du im Laden umkippst, auf dem Parkplatz angefahren wirst etc.? KEINER kann wissen, dass dein Kind im Auto sitzt!” Nein, das kann wirklich keiner wissen. Da wäre es tendenziell sicherlich besser, ich hätte mein Kind auf dem Arm oder an der Hand, wenn ich angefahren würde etc.
  • Jetzt, wo ich weiß, wie man denken kann, fallen mir noch viel mehr schreckliche Gefahren ein. Zum Beispiel, dass ich bisher auch nicht bedacht hatte, dass etwa ein Komet einschlagen könnte, und zwar direkt auf das Auto, in dem mein Kind “Pippi Langstrumpf” hört. Oder dass ein plötzlich auftretendes Erdbeben einen unüberwindbaren Krater zwischen mich (im Supermarkt) und mein Kind (im Auto) reißen könnte…

Liebe helikopternde Alles-Richtig-Macher, denkt ihr wirklich so?

Spaß bei Seite, mal im Ernst: Denkt ihr wirklich so? Denn dann würde mich interessieren, wie ihr die Gefahr einschätzt, dass ein Amokläufer im  Supermarkt herumballert – wäre da mein Kind nicht im Auto besser aufgehoben? Oder falls es sich auf dem Weg zur Supermarkttür von meiner Hand losreißt und von einem rückwärts ausparkenden Fahrzeug überrollt wird – wäre es da nicht besser im Auto geblieben? Was sagen da eure Ängste?

Mir persönlich machen eigentlich nur die Antworten der helikopternden Alles-Richtig-Macher Angst. Zur Erinnerung: Es ging bei der Diskussion nicht um das stundenlange Alleinelassen eines Kleinkindes. Es ging um eine Vierjährige (!) und um zehn Minuten (!) tagsüber (!) auf einem Supermarktparkplatz (!).

Kind allein im Auto? “Nein! Keine 5 min!”

Eine Mutter schreibt, sie würde ihr Kind niemals allein im Auto lassen, weder wach noch schlafend: “Ne, auch nicht beim Bäcker. Ne, auch nicht abgeschlossen und angeschnallt. Auch nicht im Frühling mit Hörbuch. Nein, auch wenn ich mein Kind sehe. Wir beide als Eltern haben die Verantwortung, dazu gehört ein müdes Kind für mich ins Bett statt ins Auto oder in den Supermarkt, zum Bäcker, Post etc.Im Ernst jetzt? Eine Andere schreibt: “Nein! Keine 5 min!” Und die nächste: “Der unberechenbare Faktor DIE ANDEREN ist mir einfach zu groß.

“Der unberechenbare Faktor DIE ANDEREN”Kind in Karton, überfordert, hält sich die Ohren zu

Es gibt tatsächlich Eltern, die ihre Kinder beim Tanken aus dem Auto zerren, um sie mit ins Kassenhäuschen zu nehmen. Und offenbar, so beweist dieser Social-Media-Thread, denken nicht wenige so. Ich komme mir in der Diskussion fast wie allein auf weiter Flur vor, von den anderen im besten Fall als eine Verrückte eingestuft, eine Naive, Nicht-Ernst-Zu-Nehmende; im schlechtesten Fall als eine unverantwortliche Mutter, deren Erziehungskompetenz mal vom Jugendamt untersucht gehört.

“Verantwortungslos”, “asozial”, “Jugendamt reininvolvieren”

So schreibt eine Mutter: “Für mich ist das gestört, verantwortungslos und echt asozial. Gibts auch Gesetze für.” Oder: “Könnten wir dann vielleicht auch wen vom Jugendamt mit reininvolieren, der sich hier mal bitte durchliest?”

Bitte vermittelt euren Kindern Lust auf dieses Leben! Lasst euch nicht von euren Ängsten leiten!

Leute, Eltern, bitte! Genießt eure Kinder doch! Liebt die Zeit mit ihnen! Erlebt aufregende Abenteuer und lustigen Quatsch mit ihnen! Tanzt mit euren Kindern durch diese Welt! Begleitet sie, bietet Geborgenheit und gebt ihnen Rückendeckung für ihre ersten Schritte allein!

Aber lasst ihnen Luft zum Atmen und gebt ihnen die Chance, Selbstvertrauen zu entwickeln! Vermittelt ihnen Lust auf dieses Leben! Bitte, bitte lasst euch nicht von euren Ängsten leiten!

Danke, eure Julia

Wie bereite ich mein Kind auf ein Geschwisterchen vor?

Eltern, entspannt euch!

Mein Kind ist jetzt ein Schulkind – Zeit zum Loslassen

 

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